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Elementare Soziologie by Wolfgang Conrad, Wolfgang Streeck

By Wolfgang Conrad, Wolfgang Streeck

Soziologische Begriffe und soziale Wirklichkeit: zur begri Iichen Grundlage soziologischer Theoriebildung Wenn Wissenschaft uns irgend etwas tiber die Welt mitteilen, wenn sie uns bei unserem Umgang mit der Welt von Nutzen sein 5011, mug sie irgendwo empirische Elemente enthalten ... Denn nur durch Erfahrung kiinnen wir etwas tiber die Welt lernen ... Es ist diese empirische Komponente, durch die sich die Wissenschaft von Phantasie unterscheidet (Abraham Kaplan, The behavior of Inquiry, San Francisco 1964, S. 34 ). Soziologie als empirische Wissenschaft Die moderne Soziologie ist eine Erfahrungswissenschaft. Fur den Soziolo gen hangt der Wahrheitsgehalt einer Theorie ausschliel5lich davon ab, ob und inwieweit diese mit beobachtbaren und beobachteten Tatsachen uber einstimmt. Hierdurch unterscheidet sich die Soziologie zum Beispiel von der Mathematik, in der es lediglich auf die logische Widerspruchsfreiheit von Aussagensystemen ankommt, nicht aber auf ihre Vereinbarkeit mit einer objektiven Wirklichkeit. Die wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung der Soziologie grundet sich in erster Linie auf ihre erfahrungswissenschaftliche Komponente. Fruheren Formen des Denkens iiber soziale Zusammenhange struggle der Rekurs auf eine objektive Realitat als Entscheidungsinstanz uber die Gultigkeit von Theori en versperrt; anders als die Soziologie waren sie angesichts von einander widersprechenden Theorien auf mehr oder weniger scholastische Argu mentationstechniken angewiesen - insbesondere auf die Auslegung als au toritativ anerkannter Schriften oder auf logische Ableitung aus fur wahr gehaltenen allgemeinen Pramissen. Dieser Zustand, der in den Naturwis senschaften seit der Renaissance mehr oder weniger uberwunden struggle, ist in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts durch die Entstehung der moder nen Soziologie auch fur den Bereich der Gesellschaftswissenschaften been detworden.

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AIle Revolutionen, die Frankreich im Laufe dieses Jahrhunderts mitgemacht hat, haben im Augenblick ihres Ausbruchs fallende Selbstmordziffern bewirkt. 1830 fiel die Gesamtzahl der FaIle von 1904 im Jahr 1829 auf 1756, das ist ein plotzliches Absinken um 10 %. Die Riickentwicklung 1848 ist nicht geringer. Die Zahlen bewegen sich von 3647 nach 3301. Dann pflanzt sich in den Jahren 1848-49 die Krise, die gerade Frankreich erschiittert hatte, durch ganz Europa fort. Cherall sinken die Selbstmordziffern, und zwar urn so fiihlbarer, je schwerer und langer die Krise ist.

Endlich sind diese Verbote bei beiden Religionen gottlichen lJrsprungs; sie werden nicht als logische Foigerung eines vernunftgemal5en Denkens dargestellt, sondern sie stammen von Gott seiber. Wenn nun der Protestantismus den Selbstmord begiinstigt, dann liegt das nicht an dessen dogmatisch verschiedener Behandlung. Wenn also die beiden Religionen in diesem Punkt die gleiche Auffassung haben, dann muG ihre ungleiche Wirkung auf die Selbstmordrate von allgemeineren Merkmalen herriihren, durch die sie sich unterscheiden.

Mit Hilfe des Austauschbegriffs und unter Bezugnahme auf die in Zusammenhang mit der Kristallisierung von ungleichem Status dargestellten Prozesse vertikaler Differenzierung wird hieran anschlief5end der Begriff der Macht eingefiihrt und als einseitige Abhangigkeit auf der Grundlage ungleich verteilter Ressourcen bestimmt. Durch Oberwechseln auf die makrosoziologische Ebene gelangen wir von hier aus, in Zusammenhang mit der Untersuchung der Auswirkungen vertikaler Differenzierung auf Lebenschancen und Lebenstil sozialer Gruppen, zum Begriff der «Klasse».

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